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seeing the world through my eyes
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I`m a 16 years old girl from Germany. All photos are taken and all texts are written by me.

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Nachgemalte Traurigkeit

Ich will dich finden, ich will, nein ich muss, ich werde.

Ich kenne dich schon lange, ich hatte dein Gesicht schon vor längerer Zeit gesehen, ich hatte es konserviert, aber vergessen. Und gestern nun habe ich es wieder gesehen. Du bist älter geworden und ich bin gewachsen, aber dein Gesicht war noch das selbe wie bei unseren früheren Begegnungen.

Wir kennen uns schon lange, aber gestern war es die erste Begegnung bei der du mich wahrgenommen hast. Ich habe gesehen, dass dein Blick auf meinem ruhte, dass du mein schüchternes Lächeln auffingst und von da an war auch mein Geicht in deinem Kopf konserviert. Über zwei Kassen und zwanzig Menschen hinweg blickten wir uns in die Augen, während der Kassierer 3,40 von mir verlangte und ich ihm mein Gesicht, aufgedruckt auf meinem Ausweis zeigte. Er vergaß mein Gesicht schneller als seine Schicht zu Ende war. In deinem Kopf schwirrt es jedoch weiterhin herum.

Ich habe die Chance vertan, bin gegangen, den Alkohol in einer Plastiktasche verstaut, die Glastür ging automatisch auf, ich trat automatisch hinaus. Ich habe mich nicht umgedreht, bin mit einer Eile gegangen, die mit einer Flucht zu vergleichen war. Doch jedem Schritt folgte ein langsamerer und dann blieb ich stehen aus Schreck vor dem was ich tat. Ich hatte dich nach so vielen Jahren wiedergesehen und war gegangen. Den gleichen Weg ging ich zurück, mit weitaus vorsichtigeren Schritten. Der Kassierer saß noch am gleichen Ort, da standen immer noch zwanzig Menschen an, aber die einunzwanzigste oder die einzigste, die fehlte.

Ein zusammengenüllter Kassenzettel lag auf dem Fußboden, ich hob ihn auf. 3,40, die selbe Flasche, die ich gekauft hatte, ich wusste es war deiner. Ich nahm den Zettel mit, malte die kleinen Risse und Linien auf dem Papier nach und spürte die kraftvolle Bewegung mit der du den Kassenzettel zerknüllt hattest, fühlte die selbe Traurigkeit, die mich ergriff. Mein Kopf speicherte dein Gesicht, alle Einzelheiten, all deine Schönheit. Ich will nur nicht wieder eine so lange Zeit warten, bis wir uns wiedersehen, will dich jeden Tag altern sehen und mit dir zusammen größer werden.

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Der Schnee schmilzt unter meinen Füßen und die Kälte dringt unweigerlich in mich hinein. Dies ist der erste Winter den ich ohne dich verbringe und der vorige wird wohl auch der letze sein in dem du bei mir warst.

Sie haben uns getrennt, wie sie den Menschen die Hoffnung genommen haben. Die sterben schon dahin, nicht wegen der Kälte die am Himmel schwebt oder ihren Beinen hochkriecht, sondern der, die sich in ihrem Herzen festsetzt. Und auch ich spüre den eisigen Schatten der meine Gedanken verdunkelt, aber mit aller Kraft weiche ich ihm aus, denn er verursacht nur Hass und der ist doch der Grund unserer Trennung. Der Krieg hat mir den Glauben an das Gute des Menschen genommen, zu Schrecklich ist, was gerade geschieht.


Jede Nacht in der ich wachliege schreibe ich Zeile für Zeile meine Gedanken an dich auf. Sie werden dich nie erreichen können, denn du bist an keinem Ort der Straßennamen oder Postleitzahlen besitzt. Dort wo du bist kennt auch keiner deinen Namen, nicht mal dein Gesicht. Du bist nur einer von Millionen und wenn ich nicht wäre, würde keiner an dich denken. Doch ob du noch an mich denkst? Ich warte schon so lange auf eine Nachricht von dir.

Ich habe nur den einen Brief, der letztes Jahr vor meiner Haustür lag, der weiße Briefumschlag versteckt unter Schneeflocken, das Papier ganz aufgeweicht, die Schrift verschmiert. Einiges konnte ich entziffern und es genügte zwischen den Zeilen lesen zu können. Du warst einberufen geworden, von nun an lag die Last des Todes auf deinen Schultern und du wusstest wie schwer sie werden würde. Du schriebst von Wiedersehen, Liebe und Hoffnung, aber ich wusste wie diese Wörter von Zweifeln verfressen waren. Trotzdem klammerte ich mich eine Zeit lang an sie, zusammen mit der Erinnerung an dein Gesicht.

Manchmal stehe ich am Fenster und sehe zu, wie sich junge Mädchen und heimkehrende Soldaten in die Arme fallen. Ich muss dann immer weinen, denn ich spüre, dass es diesen Moment für uns nie geben wird. Jeden Tag laufe ich zu den Listen auf denen die Namen stehen für die es keine Zukunft gibt, und auch wenn ich deinen nie darauf finde, weiß ich, dass er dorthin gehört.
Denn dies ist der erste Winter ohne dich und der vorige wird auch immer der letzte mit dir bleiben.

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